Hardest Trail in Moab – Pritchett Canyon (9) – ohne Seilwinde (die kam 2 Tage zu spät an)
Ein Erlebnisbericht.
Pritchett Canyon in Moab ist Hardcore!
In zahlreichen Youtube-Filmen der wilden amerikanischen Offroad Szene kann man das ausführlich beobachten. Extreme Offroad Monster kämpfen sich meist in größeren Gruppen zusammen mit erfahrenen Experten, die den Trail bereits kennen und entsprechend gut spotten können, den ganzen Tag lang Hindernis um Hindernis nach oben durch den Canyon und erreichen das Trail-Ende am Yellow Hill oft erst am späten Abend, weil sie sehr viel Zeit mit „Seilwindenarbeit“ verbringen. Nicht selten gibt es dabei Überschläge, die Autos werden wieder aufgerichtet, man wartet, bis sich das Öl wieder absetzt, es gibt beim Starten (wenn er wieder anspringt) eine Rauchwolke und oft kann die Fahrt mit dem etwas zerknittertem Auto fortgesetzt werden oder es muss umgedreht werden.
Im schlimmsten Fall wird der Trailmater über Satellitentelefon gerufen. So viel zu den Profis.
Wir waren nur zu zweit, waren Pritchett Canyon Neulinge, hatten keine Extrem-Boliden zur Verfügung und wußten beide nur aus ein paar Youtube-Filmen, was uns erwarten könnte. Aber wir waren neugierig und voller Erwartung, was da auf uns zukommen würde.
Ich hatte nicht mal eine Seilwinde am Jeep montiert (die kam 2 Tage zu spät an), mein Mitfahrer und Freund hatte seine Frau und 3 Kids in seinem perfekt aufgebauten Gladiator dabei (die waren meist zu Fuß unterwegs). Ich fuhr zwar auf 40-Zöllern, aber mit Serienachsen, der lange Gladiator war auf 38“ , aber er hatte zumindest 60er Dana Achsen und den kompletten Unterboden als skid plate aus Stahl ausgebildet. Kurz gesagt, das Equipment war mehr als dürftig für diese Art von Trail, an dem manchmal sogar die bestens gerüsteten Extremjeeps scheitern. Trotzdem waren wir guter Dinge und gingen die Sache beinahe würde ich sagen ruhig und gelassen an.
Etwas „erschwerend“ kam hinzu, dass meine Frau, die mit den Kids in Moab blieb, Karten fürs Rodeo am Abend organisiert hatte (auch für mich), also wurde eine pünktliche Rückkehr erwartet…. Außerhalb der Easter Jeep Safari fahren nur sehr sporadisch Teams von in der Regel 4-10 Fahrzeugen diesen Trail. Hilfe war also nicht zu erwarten und Mobilfunk gibt es im Canyon nicht. Wir waren an diesem wunderschönen Samstag (Moab war ausgebucht) die einzigen beiden Autos am Pritchett Canyon Trail, der Canyon war menschenleer (außer einer einsamen Joggerin, die war aber viel schneller als wir). Ähnlich wie vor 3 Jahren mal am Cliffhanger Trail (Rating 8). Aber Pritchett Canyon ist nochmal eine ganz andere Nummer !
Zumindest gibt es bei einem Fahrfehler keine Klippe, wo man 300m runterfällt, aber ein x-facher Salto am Yellow Hill ist auch nicht ganz ohne.
9 Hindernisse mit Schwierigkeit 9. Was das genau bedeutet, kann man auf der Seite der Red Rock 4-Wheelers, dem örtlichen Jeep Club ausführlich nachlesen, da stehen Dinge drin wie “
extreme and beyond“ und „
Rollovers are very common“. Fürs Filmen war also keine Zeit, nur so kleine Filmchen, denn wir wollten ja am frühen Nachmittag zurück sein, doch alleine die Rückfahrt über den Behind the Rocks Trail dauert 2 Stunden, er ist schwieriger als Poison Spider oder die Hells Revenge, also ein Rating 7 Trail (difficult to severe). Wir empfanden ihn nach dem Pritchett Canyon als reine Erholung.
Dabei war eigentlich zur Easter Safari vereinbart, dass ich zukünftig wie alle gut ausgestatteten Jeeps in Moab auch mit einer Seilwinde unterwegs sein darf (zuhause hat mein Jeep eine und für den Pritchett Canyon ist sie bei den Easter Safari Touren sowieso eine Grundvoraussetzung für die Teilnahme).
Das Ding war angeblich bis dato nicht lieferbar, jedenfalls war keine montiert, als wir ankamen. Da ich aber schon vereinbart hatte, zusammen mit einem Freund den Pritchett Canyon zu fahren, steckte ich in einer Zwickmühle. Er hatte sich nämlich schon lange gefreut, den härtesten Trail Moabs mit mir zu fahren und dann sollte ich wegen der fehlenden Winde plötzlich absagen?
Es hatte die Situation nicht besser gemacht, dass wir auf der Fahrt nach Moab in Grand Junction zufällig den Trail-Leader vom Copper Ridge Trail trafen. Er hatte Juniors Pullover mit dem Dead Horse Point, Moab gesehen und uns gefragt, ob wir Moab kannten. Bald kam man ins Gespräch und er erzählte uns, dass er der Trail Leader am Copper Ridge Trail (4) sei und die Jungs (13+15) erzählten ihm, dass das ihr Lieblingstrail sei und dass beide ihn schon mehrfach selbst gefahren sind.
Im Gespräch erzählten wir ihm von unseren Vorhaben, dieses Mal den Pritchett Canyon fahren zu wollen. „
Don’t do that, you will just destroy your rig“ (macht das nicht, ihr werdet nur euer Auto kaputtmachen!), war sein Kommentar zu unserer Idee.
Einer der Cracks der Szene, der vor 15 Jahren mit dem 3-fachen King of the Hammers Sieger Shannon Campbell in ernster Konkurrenz stand, meinte in Moab zu meinem Vorhaben Pritchett ohne Winde nur:
„you might do it“. Das gab mir einen Funken Hoffnung, es sollte also grundsätzlich möglich sein. Komisch war nur, In keinem der Youtube-Filmchen hatte ich ein Auto ohne Seilwinde dort fahren sehen.
Wir trafen uns um 7:00 am Trail, bezahlten unsere Gebühr indem wir die Dollars in ein Couvert steckten und dieses in einen videoüberwachten Briefkasten warfen. Wir starteten nach Luft ablassen am Gladiator und all diesen „Formalitäten“ dann kurz vor halb acht. Es begann völlig harmlos, ein Schotterweg führte in eine Schlucht. So kennen wie wir es aus den Alpen auch kennen.
Ich durfte vorausfahren, weil ich im Zweifelsfall das etwas höhere und wendigere Auto hatte und mich deshalb immer als Winchpoint für den Gladiator zur Verfügung stellen konnte (die Schäkel hinten blieben während der ganzen Fahrt dran und wurden auch hin und wieder sinnvoll eigesetzt).
Was dann nach einigen hundert Metern kam, war das abrupte Ende dieses schönen Schotterweges. Der Weg war einfach weg und man sah nicht, was dahinter war, wie es weitergehen sollte. Nicht mal, wenn man ganz nah ranfuhr. Wenn die Erde eine Scheibe wäre, würde man sich wohl so oder so ähnlich das Ende der Scheibe vorstellen. Land’s end.
Der Steilabbruch nach der Abbruchkante des Weges führte in ein Bachbett und dann über Steilstufen auf der anderen Seite wieder zu dem Schotterweg. Ob es hier früher mal eine Brücke gab ?
Es ging noch ein ganzes Stück in den landschaftlich beeindruckenden Canyon hinein, doch dann kam es knüppeldick. Man steht vor dem Abbruch, auf den man wegen einer Felswand links nur schräg zufahren kann und denkt erst mal kurz nach, wie man da heile runterkommen soll, erst eine meterhohe schräge Stufe runter, dann in extremer Schrägfahrt 10-15 Meter weiter nach unten und ganz unten nochmals eine Stufe.
Schlimmstenfalls also ca. 3 Überschläge. Wenn das Auto ins Rutschen kommt, ist es vorbei. Ein Einfangen ist hier nicht möglich. Manche schaffen es, andere überschlägt es hier schon.
Es gibt nicht immer eine Linie, die für beide Autos gut ist. Der JLU ist wendiger und kann die Linie steiler anfahren, der Gladiator hat den Vorteil des langen Radstandes, aber er sitzt aber leichter auf und ist beim Rutschen schwer kontrollierbar. Unten im Bachbett ging es über ein Felsengewirr in Schrägfahrt bergauf, rechts ein hoher Felsblock, der mit einer Präzision von wenigen Zentimetern Abstand zur Dachkante umfahren werden musste (siehe auch Foto 5 unten).
„Down and Dirty“ und Brickyard heißen diese Hindernisse.
Schild am Startpunkt. Unsere Autos sehen nicht so aus wie auf dem Bild…
Schöne Landschaft überall
Ein gut ausgebauter Weg führt in den Canyon, beinahe besser als in den Westalpen….
Es geht weiter mit einer Steilstufe
Dann 2 Hindernisse hintereinander: Down and Dirty und der Brickyard.
Hier ein Eindruck vom „Ziegelhaufen“
Überall liegen die Brocken rum
Wir brauchten die Seilverlängerung nicht, ich bin ein Stück zurück gefahren.
„Mitten drin“ statt „nur dabei“
Über den Brocken muss er drüber, da helfen keine Pillen und keine kalten Umschläge.
Ab jetzt sieht es einfach er aus - das Seil kann weg
Teil 2 folgt gleich