Hi zusammen,
ich bin dieses Jahr auch glücklicher Besitzer eines WJ Limited mit 230tkm aus dem Jahr 2003 geworden!
Mit 2,7 L CRD (Alter Benz Motor) und Optimierung auf 200PS läuft das Teil unglaublich rund mit einem wirklich entspannten Verbrauch (80% Autobahn) 8-9L. Soweit mir bekannt wurde der Motor ursprünglich für einen Transporter / Nutzfahrzeug aus dem hause Mercedes Benz entwickelt, der unter rauen Bedingungen auf 1 Mio KM ausgelegt wurde. Das eigentliche Modell wurde jedoch niemals gebaut und der Block an Crysler weitergereicht - korrigiert mich bitte, wenn ich Unwahrheiten verbreite, ich meine es jedoch mal gelesen zu haben.
Er ist mein Daily für 70 km / Tag. Versicherung mit Tk150 und SF9 - 390 EUR p.a. & damit mein günstigster im Unterhalt bisher in Relation zum eigentlichen Zweck des Fahrzeugs (Daily, Jagt, Transport, Hänger, Kilometerschl+mpe).
Ich schließe mich an (für alle potenziellen Käufer ab 2025) - kannste nicht schrauben, lass es.
Ich bin an den Kauf so herangegangen:
- Das Ding ist eine 22 Jahre alte Badewanne auf Rädern mit einem absurd redundant aufgebautem Fahrwerk
- Ich muss da sicher Zeit und Geld investieren, um alle Baustellen glatt zu ziehen
- Der alte Haufen wird auch mal 1,2,3 Tage stehen müssen
- Hier und da kommen noch luxus Geschichten oben drauf (Bei mir zB ein 10 Zoll Navi, neue Lautsprecher, Brehma Versiegelung, Kleinigkeiten)
- Zu mir - 32 Jahre alt, eigentlich jemand, der seine Zeit im Büro verbringt und in der Freizeit so ziemlich an allem schraubt, was es da draußen gibt - Autos, Mopeds, Einbauküchen, Elektrogeräte, Carports, an meiner Frau, .... mit einem großen Inventar an Werkzeug (if you know what I mean

) Spaß bei Seite, habe wirklich viel Werkzeug.
Bei meinem WJ funktioniert einfach alles, sogar die Sitzheizung und die elektrische Verstellung. Motor und Achsen laufen wie ein Traum, wobei man sagen muss – der 2,7er Block ist eigentlich unkaputtbar, wenn man ihn pflegt. Injektoren? Ja, die können suppen. Ich habe allerdings schon 230tkm und noch originale drin, die trocken sind.
Was er hat ist allerdings ein komplett kaputtes vorderes Fahrwerk.
Lüftungsklappen unterm Handschuhfach knarzen, finde ich witzig, stört mich nicht.
Also – Spurstangenköpfe OEM oben, unten, Lenkungsdämpfer aftermarket, Längslenker unten OEM oben verstellbar (da 2“ Lift), neue Trackbar, Längslenker und co auch hinten neu, sämtliche Buchsen rein. Kostenpunkt, da ist der Witz – 250€ alles zusammen. Und da sind wir beim Pluspunkt! Teile sind zu Hauf da und günstig.
Eingebaut und dann ging es los – Death Wobble. Aber was für einer. Katastrophe, hat mich zum weinen gebracht (habe wirklich Tränen verloren, vor Wut und Misserfolg).
Ab 60 kmh war das Fahrzeug unkontrollierbar.
Lösungsweg 1:
Ist alles angezogen und Spielfrei? Ja! Buchsen sind alle neu! Wie kann das also sein, dass der Eimer durch die Galaxie wabbelt, wie ein besoffener Lachs?
Ohje, Schraube von der Trackbar hat Spiel in der Aufnahme… Löcher sind oval. Also eine Metallplatte mit einem Elektrodenschweißgerät draufgeknallt und neue Schrauben geholt 12x90mm.
Ergebnis: Bilderbuch Death Wobble ab 60 kmh, alles wie bisher.

Nice.
Lösungsweg 2:
Nachlauf / Caster einstellen. Alter Falter, war das ein Krampf. Die Achse muss auf Spannung (Spanngurte), parallel den Winkel messen – aber halt! Man muss auch wissen, auf welchen Winkel man den Nachlauf eistellen muss. 5? 6? 7 Grad?
Und genau hier geht eigentliche Krampf los. Jede Wanne hat da ein Eigenleben, eine eigene Schwingfrequenz, eigene Reifen, andere Steifheit…. Das Netz sagt eigentlich alles auf einmal aber nichts konkretes (ach ja, englisch muss man können, sonst ist man verloren).
Ergebnis: Nach 3 Anläufen einen Winkel von 5,6° auf beiden Achsseiten eingestellt bekommen, Spur vermessen lassen, vom Freundlichen ausgelacht worden. Probefahrt - weiterhin Death Wobble sein Vater… An dieser Stelle habe ich wirklich geweint, ich gehe offen mit meinen Gefühlen um.
Lösungsweg 3:
Sehr, sehr wütend und mit 2x 2 Tonnen Spanngurten habe ich dann den Nachlauf auf 7,2 Grad gestellt (da ich zusätzlich ein OME Fahrwerk drin habe mit 2“ Lift). Am liebsten hätte ich dem WJ an dieser Stelle das gesamte Genick auf 180 Grad eigestellt. Aber er ist ein Kraftfahrzeug, es hat kein Genick.
Zusätzlich anderen Satz Straßenreifen aufgezogen.
Ergebnis: Death Wobble gefühlt ein bisschen besser aber noch immer unfahrbar. Das war total klasse, ich habe mich sehr gefreut und musste anschließend etwas sehr schönes äußerst exzessiv kaputtmachen.
Lösungsweg 4: Ist es das leichte Spiel im Lenkgetriebe, was es verursacht? Also Lenkgetriebe eingestellt und festgestellt, dass es ausgelutscht ist und der WJ ein neues braucht. Stellschraube war beim maximum, die Lenkung sehr schwergängig und hatte weiterhin ca. 15 Grad Spiel direkt am Getriebe.
Überholtes Lenkgetriebe bestellt (399 EUR).
Ergebnis: Der Kummerkasten auf Rädern wabbelt noch immer durch die Gegend wie ein abgelaufener Gut und Günstig Pudding.
Lösungsweg 5: Und da dämmerte es mir langsam… Eine neue Trackbar ist ja schön und gut, doch wenn der Hersteller von Haus aus Billigbuchsen verbaut, dann sind die entweder zu weich oder nach 2 Monaten Hin-und-her-schrauberei einfach wieder platt.
Also - PU Buchsen für die Trackbar bestellt, eingepresst, eingefettet, Trackbar sehr aggressiv unter Anwendung von Fluchworten in 3 Sprachen in die Fresslucke des WJ reingezimmert, zum 4. Mal eine Knarre ins Gesicht bekommen, geweint, gelacht, eingenässt, Probefahrt.
Ergebnis: Ruhe. RUHE.
Fazit: Und genau das, meine Damen und Herren, ist ein Jeep. Eine Wundertüte. Immer dann, wenn man glaubt, man hat es heile-geschraubt, winkt die Realität. Und welche Realität, das verrät der Jeep einem nicht. Verbaut habe ich mitunter eine Kombination aus OEM- & Aftermarket-Teilen, Tedgum Buchsen & viel ausprobieren und durchwechseln. Die Karre zeigt einem eigentlich durchgehend einen imaginären Mittelfinger und die Antwort ist immer ein Jain.
Man muss gegen ihn kämpfen, wie ein dicker Sumoringer gegen einen hungrigen Leoparden. Wie ein Alphalöwe gegen Hyänen. Wie Chuck Norris gegen sich selbst.
Was braucht man im Haus?
- Elektrodenschweißgerät
- Taschentücher & Vaseline
- Sämtliche Buchsen und Querlenker, Spurstangenköpfe, usw.
- Drehmomentschlüssel, Schlagschrauber, Nüsse mit komischen Maßen wie 4/5 Zoll und so ein Dreck (Obere Querlenker sind zB mit Imbus verschraubt. Schraub' mal mit 180NM Lösemoment eine schwer zugängliche kleine Imbus-Aufnahme auf. Very funny Chrysler, very funny.)
- Äquivalent dazu Maulschlüssel und Knarrenkasten
- Viele lustige Schrauben und Muttern
- Buchsenpresse
- Viele verzweifelte Stunden des Denkens, Lesens und Weinens (auch vor Schmerzen und vor meiner Frau)
- Zeit, sehr viel Zeit (wir reden hier über eine Spanne von ca. zwei Monaten)
- Geld und wie viel genau: Kaufpreis 4900,- / Finale Summe 5900,- (inkl. Kaufpreis, Werkzeug, Teile, Achsvermessung)
Ich will nicht wissen, was es gekostet hätte, hätte ich das alles in eine Werkstatt bringen müssen. Ich habe nun Teile doppelt und dreifach und einen Schuppen voller Werkzeug und ich dachte ich hatte schon viel… Und natürlich ist es im Endeffekt nicht teuer, für 5,9K habe ich jetzt einen überholten WJ, der mich vermutlich noch eine weitere viertel Million vorwärts fahren wird. Doch den zusätzlichen tausender muss man immer einplanen und auch erst einmal haben.
Ich liebe den Jeep. Ich muss ihn lieben. Ich habe gar keine Wahl mehr und muss das alles natürlich vor meiner Frau rechtfertigen.

Sie ist da gnädiger Weise sehr verständnisvoll.
Fragt mich gerne, wenn ihr Fragen habt. Ich habe nun jede Ecke des WJ gesehen, gerochen, gefühlt und geschmeckt und kann ggf. mit Ideen helfen.
Liebe Grüße aus Burgdorf bei Hannover
Johannes
PS: Ach ja, der 2,7er suppt Öl. So gut wie überall. Er ist nie zu undicht aber auch nie trocken. Nie wirklich heile aber auch nie so richtig kaputt. Wer einen Schuhkarton voll Trockenfrüchte sucht, findet hier eher 3 Wochen alte Faulfrüchte in Eigensaft fermentiert. Anderer Vergleich - wenn ihr einen Golf 7 gewohnt seid, und noch nie einen Land Rover Disco habt herumölen sehen, lasst die Finger vom 2,7er WJ!
