eXJ - Elektroumbau

Diskutiere eXJ - Elektroumbau im Forum Modification Tech im Bereich Jeep Modelle & Technik - Servus zusammen, leider hat es ein bisschen gedauert, aber da bei meiner Vorstellung einige ein paar mehr Details wollten, hier nochmal eine...
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David242

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Servus zusammen,

leider hat es ein bisschen gedauert, aber da bei meiner Vorstellung einige ein paar mehr Details wollten, hier nochmal eine Vorstellung vom Elektroumbau.

Ich habe vor ziemlich genau drei Jahren meinen Jeep Cherokee XJ 2.5L Laredo 4x4 von 1994 auf Elektro umgebaut. Den Umbau habe ich in meiner kleinen Garage, ohne Hebebühne und ähnliches, gemacht. Da ich nicht vom Fach bin und mit ziemlich viel gefährlichem Halbwissen unterwegs war/bin, hat das Ganze natürlich entsprechend lange gedauert. Ich musste zum Beispiel erst einmal schweißen „lernen“ und außerdem ziemlich viel am Unterboden flicken. Es ist schon unglaublich, wie viele Löcher ein XJ haben kann, obwohl es vorher hieß: „Der hat keinen Rost.“ 😅

Ich hatte dabei aber auch sehr viel Unterstützung von Elektro Fleck aus Pfarrkirchen. Er hat mir auch die Teile verkauft und beim TÜV geholfen. Ein super Typ!

Der Umbau an sich ist aber relativ einfach – sonst hätte das bei mir auch nicht funktioniert.

Der 4-Zylinder-Motor kam raus, und der Elektromotor wurde mit einer speziell angefertigten Alu-Adapterplatte an das Schaltgetriebe angeflanscht. Der Motor ist ein Schwarz-Motor (die sind aus Rehau) mit 85 kW Peak. Das hört sich erst mal wenig an, ist aber vergleichbar mit dem 4,0-Liter-Motor. Dazu kommen 300 Nm Drehmoment. Motorsteuerung und diverse Schütze etc. sind in einer simplen Alubox über dem Motor untergebracht.

Die Akkus habe ich damals direkt aus China bestellt: 90 x 3,2 V 230 Ah LiFePO4-Zellen, zwei parallel in Reihe verschaltet. Somit läuft das ganze System auf 144 V. Das ist natürlich deutlich weniger als bei neuen E-Autos. Für einen Garagen-Umbau ist es aber wesentlich sicherer und tatsächlich reicht es eigentlich auch völlig aus. LiFePO4-Zellen sind außerdem deutlich sicherer als die Lithium-Ionen-Akkus, die üblicherweise in E-Autos verbaut sind, da sie nicht so brandgefährlich sind. Der Nachteil ist die geringere Energiedichte. Trotzdem komme ich mit meinem 2P45S-System auf etwa 66 kWh und 920 A Peak.

Die Batterien wiegen zusammen 369 kg, dazu kommen noch die Boxen und Halterungen. Alles in allem wiegt der eXJ jetzt also etwas mehr, insgesamt 1.880 kg Leergewicht.

Die Batterien sind auf zwei Boxen aufgeteilt: eine unter dem Kofferraum anstelle des Tanks und eine (leider) im Kofferraum. Man könnte es sicher auch schaffen, die zweite Box im Motorraum unterzubringen, aber da waren meine Mittel beim Bau der Aluboxen etwas begrenzt. Alle Boxen müssen wasserdicht sein und brauchen trotzdem einen Ablauf – ist widersprüchlich, ich weiß. Tatsächlich kann man dafür zum Beispiel ein Ventil vom Fahrradschlauch nehmen. Es gibt aber sicher bessere Möglichkeiten.

Soviel zum Hauptsystem. Zusätzlich ist noch ein DC/DC-Wandler verbaut, der die 12-V-Batterie lädt, wenn die Zündung an ist. Außerdem eine elektrische Servopumpe, eine elektrische Unterdruckpumpe für den Bremskraftverstärker, ein 2kw Heizmodul und ein kleines Kühlsystem mit einem Kühler von einem Roller für Motor und Motorsteuerung.

Ach ja, und drei Ladegeräte mit jeweils 3,3 kW. Somit kann ich mit maximal 9,9 kW über Typ 2 laden. Das reicht für den Alltag locker aus. Tatsächlich habe ich nicht mal eine Wallbox, sondern lade über meinen Schuko-Stecker in der Garage. Das funktioniert alles erstaunlich gut.

TÜV war auch echt easy. Die Teile wie Motorsteuerung, Servopumpe etc. waren dem TÜV schon bekannt. Ich hatte aber auch ziemliches Glück, denn anscheinend brauchen Autos, die jünger als Baujahr 1988 sind, mittlerweile eine EMV-Prüfung. Die ist wohl superteuer und macht einen Umbau praktisch unmöglich. Das ist echt schade und meiner Meinung nach völlig unnötig. Aber klar – nicht, dass die Konzerne noch weniger verdienen, weil ein paar Leute ihre Autos umbauen. Naja, egal. Ich bin da noch irgendwie durchgekommen.

Älter als 1988 geht aber immer noch.

Der Jeep fährt sich ziemlich angenehm. Ich fahre meistens im dritten Gang los und schalte bei etwa 80 km/h in den vierten. Wenn es mal flotter an der Ampel sein muss, fahre ich im zweiten los. In der Stadt fahre ich sozusagen One-Pedal-Drive, da meine Rekuperation recht stark eingestellt ist und ich nicht schalten muss. Rückwärts fahre ich auch ganz normal über den Rückwärtsgang. Theoretisch könnte ich das aber auch über den Motor steuern.

Wir waren jetzt schon zweimal mit dem eXJ auf Elba, also etwa 900 km einfach von München aus. Das ist natürlich ein ganz anderes Reisen, weil wir viele Ladestopps haben. Deshalb fahren wir die Strecke dann auch ganz gemütlich in zwei Tagen. Für uns passt das aber ziemlich gut.

Der Verbrauch ist im Prinzip auch völlig okay. Ich habe das letztens erst nochmal auf der Autobahn getestet:
  • bei 80 km/h: 17,6 kWh
  • bei 100 km/h: 20,6 kWh
  • bei 110 km/h: 25,6 kWh
Das ist schon okay für einen XJ. Ich fahre meistens 100-110 km/h, oder manchmal auch im Windschatten von nem LKW. Topspeed müsste so um die 150-160 km/h sein.

Alles in allem fährt der eXJ wirklich sehr gut. Ein paar Problemchen habe ich schon, zum Beispiel ein Knacken beim Anfahren – ich vermute Bremsen oder U-Joints – und so weiter. Aber nichts Außergewöhnliches.

So, ich hoffe, ich habe nichts vergessen.

Ich überlege aktuell, ob ich den Jeep nochmal umbauen soll. Mich würde reizen – so machen es einige in den USA –, einen Tesla-Motor quer anstelle des Getriebes einzubauen. Also jeweils eine Welle auf die Vorderachse und eine auf die Hinterachse. Das wäre natürlich superinteressant, weil man sich Getriebe und Verteilergetriebe spart und permanenten Allrad hätte. Man müsste dann aber Vorder- und Hinterachse wechseln, mindestens auf Dana 44, und das System auf 400 Volt anpassen.

Das hätte wiederum den Vorteil, dass man CCS-Schnellladen integrieren könnte. Der Tesla Motor hat auch nochmal deutlich mehr Leistung. Würde sicher Spaß machen! Mal schauen – da mein aktuelles System soweit ganz gut läuft, wäre es auch ein bisschen schade, alles nochmal umzubauen. Vielleicht baue ich lieber einen zweiten um. Oder einen MJ – das wäre natürlich der Hammer 🤩

Falls jemand einen günstig abzugeben hat: gerne melden 😅

Oder einen AMC Eagle – auf die habe ich gerade auch ein Auge geworfen … hahaha, naja, mal schauen.

Beste Grüße
David


Und hier noch ein paar Bilder:
 

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Hi,
ist ja ein cooles Projekt. Ich würde tatsächlich nicht auf die Idee kommen meinen 4.0 umzubauen, der starker Umbau!
Warst du bestimmt einige Zeit beschäftigt.

Wie weit kommst du dann mit einer Ladung?

Den Antrieb vom Tesla Model 3 kenn ich in der Allrad - Variante von meinem (zum Glück abgegebenen) Geschäftsfahrzeug - Tesla.
 
Hallo David,

ich hätte eher einen Inlinesix 4.0 oder V8 in den XJ 2.5 verpflanzt. ;)

Aber dennoch meine Anerkennung und Respekt für deinen Swap.

Elektrogedöns ist für mich als bekennender US-Petrolhead allerdings niemals eine Alternative.
:nono:

Gruß Micha
 
Ich mag beides, aber einen 4.0 Inlinesix hätte ich wahrscheinlich auch nicht umgebaut 😅

@Bippo161 ja, insgesamt hat der Umbau etwas über ein Jahr gedauert.
Die Reichweite auf der Autobahn ist etwa 250 km. In der Stadt würde ich mal 280 km schätzen.
 
Sehr interessante Geschichte.

Wieviel hat die Hardware ungefähr gekostet?
Und könnte man mit dem Auto auch bidirektional laden?

Das wäre im Prinzip ein Super Umbau für den TJ, dann hätte man das optimale Stadtfahrzeug. Reichweite wäre sogar ziemlich ähnlich.
 
Ich mag beides, aber einen 4.0 Inlinesix hätte ich wahrscheinlich auch nicht umgebaut 😅

@Bippo161 ja, insgesamt hat der Umbau etwas über ein Jahr gedauert.
Die Reichweite auf der Autobahn ist etwa 250 km. In der Stadt würde ich mal 280 km schätzen.
Das ist ja echt eine gute Reichweite...damit kommst du ja ein ordentliches Stück.
 
Interessanter Umbau. Respekt für den Mut und die Umsetzung. :up:
Für mich wäre das nichts, da bin ich bei Micha = Petrolhead
Der Sound macht die Musik.
Ein Kunde von unserer Werkstatt hat seinen älteren AMG gegen einen Porsche E-Taycan getauscht.
Nach einigen Monaten kam Langeweile wegen dem fehlendem Motorgeräusch auf.
Die Soundfiles aus dem Lautsprecher im Innenraum waren nicht wirklich befriedigend.
Der Porsche ist wieder beim Händler und der Kunde fährt glücklich einen neuen Audi SQ8.

Bei älteren oder sehr alten Fahrzeugen könnte ich mir einen E-Umbau vorstellen.
Da gibt es in meiner Nachbarschaft schöne Beispiele

Elektroautos von Lorey Maschinenbau GmbH
 
"LiFePO4-Zellen sind außerdem deutlich sicherer als die Lithium-Ionen-Akkus, die üblicherweise in E-Autos verbaut sind,"

Lithium-Eisen-Phosphat-Zellen sind auch Lithium-Ionen-Akkus, aber halt keine Nickel-Mangan-Cobalt-Zellen. Die LiFePO4 werden mittlerweile auch in fast allen E-Autos eingebaut. Die lassen sich etwas schneller laden, und neigen nicht so sehr thermisch "durch" zu gehen, wie die NMC.
 
Hallo,
Statt dem Tesla "Mittelmotor" wurde ich den E Motor an das VTG setzen. Wenn das Startdrehmoment oder die Enddrehzahl nicht reicht, Achsübersetzung ändern.

Währe weniger Gewicht ohne das Getriebe
im Motorraum Platz für Batterien
bessere Gewichtsverteilung
Schwerpunkt tiefer
mehr Platz im Innenraum


UND für mich währe es ganz wichtig, Heckantrieb
 
Thema: eXJ - Elektroumbau

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